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Der verantwortungsvolle Konsument

Das, was ich jetzt schreibe, mag ein wenig kontrovers klingen:

KonsumentInnen haben Macht. 

Wirklich? Wir sind doch nur wehrlose EmpfängerInnen von Produkten, wir können doch ohnehin nichts ausrichten. “Die da oben”, die Politik, muss was machen. Blödsinn.

Betrachten wir es einmal so: gehen wir in ein Geschäft hinein oder shoppen wir online, treffen wir Entscheidungen. Wir sind oft viel zu gedankenlos, wenn wir einkaufen: ist das Produkt ein Bioprodukt? Wo kommt die fesche Kleidung her? Wieviele Konfliktmineralien aus dem Kongo sind in meinem Laptop drin? Das sind Fragen, die sich – seien wir ehrlich – nur wenige stellen. Es ist aber wichtig und lohnenswert, sich mit diesen Realitäten zu befassen, bevor wir etwas kaufen.

Eines meiner Herzensthemen ist “Consumer Responsibility”. Was ist das denn nun schon wieder neumodisches?

Es meint nichts anderes, als mit offenen Augen und wachem Geist in ein Ladengeschäft (ob nun online oder offline, auf der Gass) zu gehen. Darüber zu reflektieren, was die Folgen meines Kaufs sind.

Ich habe mir in letzter Zeit viel Gedanken über die Textilindustrie gemacht. Dadurch, dass ich unlängst umgezogen bin, musste ich meine Kleidung aus den Kartons in den Garderobenschrank verräumen. Während ich dies tat, habe ich mir die Zeit genommen und bei einigen der Kleidungsstücke die Herkunftsländer auf den Etiketten identifiziert: Kambodscha, Vietnam, Indien, Pakistan, seltener China. Die Chinesen sind zu teuer geworden, weswegen die Bekleidungsindustrie nun ausweicht auf noch billigere Länder. Oft mit noch mieseren Arbeitsbedingungen.

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Kleiderfabrik in Bangladesh. Quelle: zdf.com

Ich fragte mich: “Wer mag den Stoff für diese Bluse eingefärbt haben? Hat das giftig gerochen? Hat die Person Atemerkrankungen erlitten? Wer hat das Kleidungsstück genäht? Wie viele Stunden war die Näherin am Tag zugange? Kann sie mit dem Geld, das sie bekommt, ihre Familie ernähren? Kann sie ein gutes Leben haben, irgendwann…?”

Schließlich die letzte, schlimmste Erkenntnis: “Wie viele Leben habe ich auf dem Gewissen durch die Kleidung, die ich kaufe? Wie viel ist mir ein Trend wert?”

Beim Einsturz der Textilfabrik rana Plaza in Dhaka starben mehr als 1100 Menschen.
Angehörige eines der Rana Plaza Opfer in Bangladesh ©EPA/ABIR ABDULLAH

Diese Frage und die daraus resultierende Erkenntnis hat mich erschüttert. Ich habe das Glück, nun in Berlin zu wohnen, wo es mehr oder minder in jedem Viertel einen Second-Hand-Laden gibt. Auch wenn die dort verkauften Kleidungsstücke ebenfalls aus Billiglohn-Ländern kommen, so sind sie doch nachhaltiger, da nicht noch mehr Wasser als Ressource verbraucht werden muss, da das Kleidungsstück ja schon mal eine Vorbesitzerin gehabt hat und nun bei mir im Kleiderschrank und an mir selbst eine neue Heimat gefunden hat. Auch zollt dies sowohl der Vorbesitzerin Respekt dafür, dass sie pfleglich  mit dem Kleidungsstück umgegangen ist als auch der Näherin dafür, dass sie so fleißig war und ein so gutes und langlebiges Kleidungsstück gefertigt hat. 

Foto zu ReSales - Secondhand & more - Berlin, Deutschland
Resales Secondhand Laden in Berlin-Moabit Quelle: https://www.yelp.de/biz_photos/resales-secondhand-und-more-berlin?select=AsTZL7bbI9vtkUORaC4uSw 

 

Fazit also:

Der einzelne Konsument hat gewiss keine Macht. Wenn sich aber mehr Menschen dazu entscheiden, vor einem Einkauf zu reflektieren, diesen zu überdenken, dann wird aus dem leisen Stimmchen der Endverbraucher ein lauter Schrei. 

Geht in Secondhand Läden. Bringt Eure Schuhe zum Schuster. Lasst den Laptop von einer fachkundigen Person reparieren. Haltet Euren ökologischen und sozialen Footprint so niedrig wie möglich.

Gelebte Verantwortung entsteht nicht über Nacht. Es sind kleine Schritte, die langfristig den Unterschied machen.

3 Gründe warum der Mittelstand Nachhaltigkeit braucht

Nachhaltigkeit – kaum ein Begriff ist ausgelutschter und wird inflationärer behandelt als dieser. Es ist interessant zu beobachten, dass die großen Multinationals fast alle Nachhaltigkeitsberichte veröffentlichen – und das nicht erst seit gestern. Kleine und mittelständische Unternehmen machen 99% der Unternehmenslandschaft in Deutschland aus, sie sind das Rückgrat unserer Wirtschaft. Wie sieht’s also bei den KMUs aus und warum brauchen sie eine Nachhaltigkeitsstrategie?

Quelle: IfM Bonn

 

1. Der Kampf um die Kunden
Produkte können wir heutzutage aus aller Welt beziehen – ob als Endverbraucher oder im B2B. Die Qualität ist durchaus schwankend. KMUs stehen in der Regel für regionale Herstellung, sie repräsentieren die hohe Qualität und Wertarbeit des “Made in Germany”. Eigentlich sind sie schon nachhaltig, reden aber nicht darüber. Es findet gerade ein Umdenken statt: immer mehr Kunden wünschen sich langlebige, hochwertige Produkte, die aber auch ökologischen und sozialen Standards entsprechen. KMUs sollten handeln, bevor sie diese wichtige Entwicklung “verschlafen”.

2. Das nackte Überleben
Zeigt ein Unternehmen auf, wie nachhaltig es wirtschaftet (zum Beispiel bei so wichtigen Themen wie Abfallvermeidung, Emissionen, Wasserverbrauch, Gleichstellung im Betrieb), bildet dies Vertrauen zu Kunden, Partnern und auch zur Kommune. Das sind ohnehin die großen Stärken der KMU. Damit sie noch lange bestehen und stabil durch den Sturm der Globalisierung segeln können, sollten sie sich nicht scheuen, ihre ökologische und soziale Performance zu verlautbaren. Entweder in einem dezidierten CSR- oder Nachhaltigkeitsbericht. Oder einfach in einem starken und prägnanten Nachhaltigkeits-Policy-Statement auf ihrer Website. Nur wer die Dinge anders macht und Mut hat zum Umdenken, kann auf lange Sicht bestehen. Ein gutes Beispiel hierfür ist Trigema, ein deutscher Mittelständler, der bis heute Textilien in Deutschland herstellt und einen Teil seiner Produktlinie sogar auf das Cradle-to-Cradle Modell umgestellt hat.

3. Das liebe Geld regiert die Welt
Die Zeiten des Greenwashing sind so gut wie vorbei. Einfach nur den alten Produkten einen grünen Farbanstrich zu geben um sie attraktiver zu machen, reicht nicht mehr aus. Auch nicht, um Investoren und Banken anzuziehen: Stichwort “ESG Investment”. Schon mal davon gehört? Die Kriterien “Environmental, Social and Governance” bezeichnen Investitionskriterien und bewerten, wie bei Unternehmensentscheidungen ökologische und gesellschaftlich-soziale Aspekte bei der Unternehmensführung berücksichtigt werden. Und das nicht in Form von wohlklingenden Marketing-Botschaften sondern basierend auf harten Zahlen, Daten und Fakten. Diese Aspekte werden auch immer mehr bei Firmenanalysen von Finanzdienstleistern berücksichtigt. Das verantwortliche Investieren gewinnt langsam aber stetig an Bedeutung. KMUs sollten hier rechtzeitig vorsorgen und die Daten sammeln, aufbereiten und publizieren.

Klingt interessant? Schreiben Sie mir einfach eine Nachricht, ich gebe Ihnen gerne eine kostenlose Erstberatung zu diesem Thema!

Herzlichst,

Yuki Hayashi

Das Makeup und die Würde der Frau

Die Zeiten, in denen Frauen nur gefallen müssen, sind vorbei. Zuviel ist passiert: #Metoo und der Fall Weinstein, Brett Kavanaugh und Dr. Christine Blasey Ford, die in einer öffentlichen Anhörung mutig, ruhig und sachlich über ihren in der Jugendzeit erlittenen sexuellen Übergriff durch Kavanaugh spricht.

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Dr. Christine Blasey Ford  / Quelle: elle.com

Blasey Ford trug bei ihrer Anhörung ein dunkelblaues Ensemble, war dezent geschminkt. Sie strahlte im Gegensatz zum offensiven, beleidigenden und hitzigen Brett Kavanaugh Ruhe, Glaubwürdigkeit und Klarheit aus. Dieser Look signalisiert: “Ja, ich war Opfer von Gewalt.” und “Ich bin hier. Ich werde gehört werden. Von allen.”

Es reicht. Frauen kommen aus der Verdeckung, sie scheuen weder mediale Backlashes noch scheuen sie sich davor, mehr zu verlangen, mehr zu sein. Sie selbst zu sein. Ist das so neu? Female Empowerment ist chic, jedes große Unternehmen schreibt es sich auf die Flagge, seit Sheryl Sandberg mit “Lean In” die Welt aufgerüttelt hat.

Aber wie neu ist es wirklich und was steckt dahinter?

Quecksilbersulfid, Bleiweiß und Essig – das Makeup einer Königin

Im Jahr 1586 erklärte Königin Elisabeth I. von England:

“We princes, I tell you, are set on stages in the sight and view of all the world duly observed; the eyes of many behold our actions, a spot is soon spied in our garments; a blemish noted quickly in our doings.”

“Wir Prinzen, ich sage Euch, stehen auf einer Bühne, entblößt vor der ganzen Welt, die uns gebührend beobachtet ; die Augen von vielen schauen auf unsere Handlungen, mal wird ein Fleck auf unseren Kleidern bemerkt; und dann sehr schnell ein Makel in unserem Handeln.”)
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Elisabeth I. / Quelle: Wikipedia

Königin Elisabeth I. repräsentierte Stärke, Entscheidungskraft und Führung. Sie kultivierte in Kleidung und Make-up eine Aura, die heute als “flawless” bezeichnet würde. Ihre Zofen brachten Stunden damit zu, ihr von den Pocken verunstaltetes Gesicht mit dem Make-up jener Zeit herzurichten. Das Gesicht der Königin sollte bis in ihr hohes Alter rein, porzellangleich und jugendlich wirken. Sie konnte und wollte sich nicht die Blöße geben, mit Pockennarben vor die Öffentlichkeit zu treten. Verständlich.

Aber auch gefährlich: denn ihr Lippenrot bestand aus giftigem Quecksilbersulfid und  ihre Foundation war eine übelriechende Mischung aus Bleiweiß und Essig. Um ihr makelloses Bild aufrecht zu erhalten, nahm sie es in Kauf, dass diese giftigen Substanzen ihren Körper langsam zersetzten: sie erlitt Bleivergiftungen, hatte Gleichgewichtsstörungen, kämpfte mit Gedächtnisverlust und eingeschränktem Sprechvermögen. Dies geschah nicht ausschließlich im Namen ihrer Schönheit, sondern im Namen ihrer Würde.

Fast Forward ins 20. Jahrhundert: Lippenstift gegen Kriegsgräuel

Quelle: suhrkamp.de

Für ihr Buch “Ein Hauch von Lippenstift für die Würde” interviewte Henriette Schroeder 22 Frauen, die über die Wichtigkeit von Kleidung und insbesondere Make-up in Ausnahmesituationen wie Krieg, Flucht und Verfolgung berichten. Sie erzählt unter anderem von Senka Kurtovic, einer Journalistin, die im Bosnien der 1990er Jahre geschminkt und in Pumps durch die berüchtigte Sniper-Alley Sarajevos zu ihrem Arbeitsplatz ging. Warum sie das tat?

 

 

“Schminken war Pflicht, jedes Mal so, als ob es das letzte Mal sein würde.”
Senka Kurtovic, bosnische Journalistin

Herta Müller / Quelle: theafamouspeople.com

Die berühmte Schriftstellerin Herta Müller fasziniert bis heute mit ihren glutvollen Augen, ihrem rabenschwarzen Haar, den blutroten Lippen. Sie verströmt etwas Geheimnisvolles und Unantastbares. Und das kommt nicht von ungefähr, denn sie stand im Rumänien des Diktators Ceaucescu unter der ständigen Bedrohung des Geheimdienstes Securitate. Sie wusste, dass sie jeden Moment aus ihrer Wohnung zum Verhör gezerrt werden konnte. Was sie als Akt der Selbstbehauptung unternahm: Sie kleidete sich hübsch, legte ihr Make-up auf und wenn die Männer kamen, leistete sie stummen Widerstand durch ihr tadelloses Aussehen. Die Männer konnten sie abführen, sie konnten sie jedoch nicht brechen. 

Make-Up, und das macht dieses Buch deutlich, ist so viel mehr als nur Farbe im Gesicht, die schön auf Männer wirkt. Make-Up ist auch Rebellion, Ausdruck von Stolz, Würde und Selbstachtung der Frau.

Zoom: Blick zurück nach vorn

Frauen machen Karriere. Frauen werden Unternehmerinnen. Frauen haben Kinder und sind erfolgreich. Sie leisten viel, sie wollen viel. Aber wer wollen sie sein, was soll Schminke heute ausdrücken? Sex-Appeal (1950s), Übermacht (1980s) Natürlichkeit (1990s)?

Frauen begegnen Männern heute auf Augenhöhe. Sie wollen nicht mehr nur gefallen, sie wollen sie selbst sein. Verschönerung und Unterstreichung der Weiblichkeit als Sexsymbol gehören der Vergangenheit an. Farben sind heute Ausdruck des Selbst, ein “Ja!” zur eigenen Schönheit jenseits der Norm.

Ein paar Labels sind entstanden, die den traditionellen Häusern wie Dior und Chanel zu verstehen geben: “Time to change.” 

Rihannas Fenty Beauty hatte nicht umsonst so viel Erfolg: von der dunkelsten Hautschattierung über elfenbeinfarben bis zum hellsten Ton sind in 40 erhältlichen Nuancen alle Ethnien vertreten.  Die Welt brauchte solche Produkte. Und Rihanna gab den vielen Frauen auf der Welt eine Stimme, ein “Ja!” zu sich selbst. Ihre Message ist ganz klar: Diversity und Inclusion für jeden Tag, für jede Frau. Ihre Pro Filt’r Reihe ist so viel mehr als nur Make-up: sie ist Politik.

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Quelle: fentybeauty.com
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Quelle: thefuss.co.uk

Aber auch hier in Deutschland gibt es ein Label, das die Dinge etwas anders macht:

Das deutsche Label Zoeva adressiert einen Typus Frau, der wagt. Das Label kreiert nicht Farben, die vordergründig hübsch machen, sondern Töne, die stark machen in Kollektionen, die zum Nachdenken anregen.

Zoeva “Premiere Collection” / Quelle: zovacosmetics.com

Die Lidschatten-Palette “Screen Queen” zelebriert die legendären Ikonen Traumfabrik Hollywood, während die “Premiere Collection” eine Hommage an die Tänzerin Josephine Baker und die Schauspielerin Tallulah Bankhead ist.

 

Zwei Frauen, die zu ihrer Zeit aus bestehenden Klischees fielen: Baker als “Bronze Venus”, die die Welt der Revue und des Tanzes revolutionierte, den Charleston nach Europa brachte und später Aktivistin im Kampf gegen die Diskriminierung von Afroamerikanern wurde. Bankhead wiederum entsprang einer berühmten Politiker-Familie aus Alabama. Sie fiel aus der Rolle in dem sie Schauspielerin wurde, als Liberale die Bürgerrechtsbewegung unterstützte und sich dadurch in direkte Opposition zu ihrer konservativen Familie stellte.

Zwei Frauen also, die Klischees widerlegen und rassische (Baker) oder politisch-familiäre (Bankhead) Limitationen sprengten. Und gleichzeitig zwei Namen, die heutzutage so gar nicht  in den Köpfen der vorwiegend jugendlichen Käuferschaft herumspuken. Chapeau, Zoeva. Das ist Chuzpe.

“Ach was, das ist doch nur fein ausgeklügeltes Marketing”, werden einige sagen. Ich sage, dass es etwas ganz anderes meint: “Schaut nicht auf den neuesten Instagram-Post! Schaut viel weiter zurück. Schaut auf zu den Frauen, die sich trauten, anders zu sein. Schaut auf zu Euch selbst und holt Euch endlich Eure Würde und Euren Stolz zurück!” 

Ob nun mutige Zeuginnen wie Dr. Christine Blasey Ford, die mächtige Regentin Elisabeth I. von England,  Schriftstellerin Herta Müller, Beauty-Aktivistin Rihanna oder Zoevas Huldigung von Josephine Baker und Tallulah Bankhead: hier sind Frauen die zeigen, dass es gut und richtig ist, in der hauptsächlich feindseligen Öffentlichkeit ganz sie selbst zu sein. Auch und gerade im Angesicht von Männern, die sie für schwach und unfähig halten. Das ist das wahre Empowerment.

Zwei alte Konzepte der Nachhaltigkeit, die aktueller sind denn je

Wer auch immer sich heutzutage mit dem Begriff Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung auseinandersetzt, weiß nicht unbedingt wie alt diese beiden Begriffe sind.

Für all jene, die gerne mehr wissen möchten – bitte weiterlesen:

1. Nachhaltigkeit und ihr Ursprung in der deutschen Forstwirtschaft

Die Annahme, dass Nachhaltigkeit etwas recht Neues und Modernes sei, ist ein Trugschluss. Tatsächlich ist sie alt. Und bevor sie zur hochglänzenden CSR (Corporate Social Responsibility) wurde, kam sie in einem biederen, deutschen Förstersgewand daher.

Richtig gehört. Nachhaltigkeit wurde in Deutschland erfunden. In Sachsen, um präzis zu sein.

Hans Carl Von Carlowitz Poster featuring the photograph Hans Carl Von Carlowitz by Smetek
Bild: Hans Carl von Carlowitz, Pop-Art Porträt von Smetek: https://fineartamerica.com/featured/hans-carl-von-carlowitz-smetek.html?product=poster

Im Jahr 1713 schrieb der sächsische Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz in einer Abhandlung darüber, dass nur so viel Holz gefällt werden dürfe wie auch wieder durch Aufforstung nachwachsen kann. Die Idee klingt banal, war zum damaligen Zeitpunkt aber bahnbrechend.

Holz war damals eine wichtige Ressource für den Hausbau, Schiffsbau aber auch als Brennstoff zum Kochen und Heizen notwendig. Dies führte zum Problem der Entwaldung und Verödung – eine Gefahr, die gravierende wirtschaftliche Auswirkungen auch für das vom Erzabbau abhängige Sachsen hatte. Carlowitz erkannte dies und widmete seine Abhandlung dem sächsischen König August dem Starken – wohl wissend, dass der Adel die Macht und das Geld hatte, Dinge im Land zu ändern.

„Verwundern muß man sich wohl, daß die meisten vermögensten Leute auf grosse Häuser, Palläste, Schlösser und dergleichen Baue, ihr meist Vermögen anwenden; wäre aber vielleicht vorträglicher wenn sie ihren Grund und Boden anzubauen, und zu verbessern suchten, als welches doch ihnen so wohl, als denen Nachkommen und dem gemeinen Besten weit nutzbarer fallen dürffte.“

Hans Carl von Carlowitz, Zitat aus seinem Werk “Sylvicultura oeconomica”

Sein Traktat kam an und führte schließlich zum nachhaltigen Aufforsten in Sachsen. Die Geburtsstunde nicht nur der nachhaltigen Forstwirtschaft, sondern der Nachhaltigkeit selbst.

2. Soziale Verantwortung oder “der ehrbare Kaufmann”

Soziale unternehmerische Verantwortung wie wir sie heute kennen, entstand eigentlich schon im Mittelalter im Umfeld der hanseatischen Kaufleute in Hamburg.

Bild: Petrus Christus “Der Goldschmied”, 1449

Damals waren viele von ihnen noch zu Fuß unterwegs und es fiel ihnen schwer, Vertrauen zu neuen Kunden aufzubauen und nicht als Betrüger abgestempelt zu werden. Einige Kaufleute beschlossen, sich zusammen zu tun und ein Kaufmannsrecht von “Treu und Glauben” zu etablieren. Dieses regelte rechtliche und kaufmännische Aspekte, war aber gleichzeitig tief in die Kultur des Mittelalters eingebettet: der ehrbare Kaufmann stand in der Tat für die “Ehre”, die damals das höchste Gut einer Gesellschaft darstellte. Die Prinzipien sollten dabei helfen, die von der städtischen Gemeinschaft gewünschten Verhaltensweisen zu erfüllen. Die Geburtsstunde der “Compliance“, wenn man will.

Die vermeintlich altmodischen Tugenden wie Ehrlichkeit, Verlässlichkeit und Integrität haben bis heute Bedeutung. Oder mehr gesagt: sie sind wichtiger denn je!

Der Ehrbare Kaufmann als Person:
Sich zur Einhaltung von Werten verpflichten
– Der Ehrbare Kaufmann ist weltoffen und freiheitlich orientiert.
– Der Ehrbare Kaufmann steht zu seinem Wort, sein Handschlag gilt.
– Der Ehrbare Kaufmann entwickelt kaufmännisches Urteilsvermögen

Der Ehrbare Kaufmann in seinem Unternehmen:
Bedingungen für ehrbares Handeln schaffen
– Der Ehrbare Kaufmann ist Vorbild in seinem Handeln.
– Der Ehrbare Kaufmann schafft in seinem Unternehmen die Voraussetzungen für ehrbares Handeln.
– Der Ehrbare Kaufmann legt sein unternehmerisches Wirken langfristig und nachhaltig an.

Der Ehrbare Kaufmann in Wirtschaft und Gesellschaft:
Den Rahmen für Ehrbares Handeln begreifen und gestalten
– Der Ehrbare Kaufmann hält sich an das Prinzip von Treu und Glauben.
– Der Ehrbare Kaufmann erkennt und übernimmt Verantwortung für die Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung.
– Der Ehrbare Kaufmann tritt auch im internationalen Geschäft für seine Werte ein.

Die Versammlung eines ehrbaren Kaufmanns zu Hamburg e.V. hält sich bis heute an die oben genannten Grundsätze. Mehr Infos zu diesem über 500 Jahre alten Verein gibt es hier.

Wie aus den oben stehenden Informationen erkennbar ist, sind uralte Ideen nicht unbedingt staubig und für die Mottenkiste bestimmt, sondern haben auch in der heutigen Zeit Gültigkeit und Bedeutung.

Gibt es noch weitere alte Lehren und Gedanken, die wir in unseren turbulenten und unsicheren Zeiten heute wieder auflegen könnten?

Ich freue mich auf Ideen in der Kommentar-Box!

Herzlichst,

Yuki Hayashi

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5 Tipps für nachhaltiges Shoppen

Der Herbst ist da. Heißt für uns: die Lebkuchenherzen sind im Supermarkt angekommen und auch unsere Lieblingsshops locken uns mit neuen Pullis, Make-Up Produkten und Düften. Und alle schreien Sie: “Kauf mich!”

Ihr kennt das Problem: auch der größte Kleiderschrank oder sogar ein Ankleidezimmer ist irgendwann voll bis auf Anschlag. Wir misten zwar in unregelmäßigen Abständen aus, aber irgendwie wird die Kleiderflut nicht weniger. Was tun?

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Verzweiflung hat ein Gesicht – in diesem Falle meins O_O Foto: privat

Ich finde es lohnt sich, über Fast Fashion und Beauty Konsum im Kontext mit Nachhaltigkeit und verantwortlichem Shoppen nachzudenken. Und nein: Second-Hand ist ausnahmsweise mal nicht in der Liste.

Hier gebe ich Euch fünf Impulse und Ideen aus der Kategorie “bewusster Konsum”:

  • Ein Moment der Achtsamkeit… im Primark
    Du shoppst bewusster, wenn Dir klar ist, was Deine Garderobe bereits hergibt. Mache Selfies von Dir in Looks, die Dir besonders gefallen. Und zwar in Klamotten aus Deinem Schrank, die Deiner Meinung nach die aktuellen Trends der Saison gut umsetzen. Merke Dir auch die Farben, Muster und Schnitte Deiner Garderobe.  Und dann ab in die Stadt. Wenn Du bei Primark, H&M, Zara & Co. den Kaufrausch-Rappel bekommst und  am liebsten ALLES mitnehmen willst…… dann atme 5 Sekunden lang tief durch die Nase in den Bauch ein und durch den Mund aus und stelle Dir die Frage:”BRAUCHE ICH DAS?”Schnapp Dir Dein Handy, gehe Dein persönliches Fashion-Lookbook durch und gleiche es mit dem brandneuen It-Piece ab. Ich versichere Dir: diese Form der Garderoben-Buchhaltung hilft Dir dabei, Fehl- und Doppelkäufe zu vermeiden. Probiere es einfach mal aus! Spart Geld, spart Platz in Deinem Kleiderschrank und es gibt eine Shopperin weniger, die Kleidung aus Kinderarbeit gekauft hat.
  • Alte Schuhe – weg damit? Muss nicht sein!
    2015 habe ich in Berlin ein Paar Wildlederstiefeletten im Sale ergattert. Der Schwachpunkt an neuen Schuhen sind fast immer die Sohlen und Absätze, denn schon nach weniger als einem Jahr hatte ich ein Loch in den Sohlen meiner lieb gewonnenen Treter. Die Schuhe verstaubten irgendwann in meinem Schuhregal. Als ich im Frühjahr 2018 ausmistete, hielt ich sie wieder in der Hand und wollte sie entsorgen. Aber warum? Sie sind schön, bequem und zeitlos! Die Lösung: mein Schuster hier um die Ecke hat sie mir für 30€ repariert. Die neuen Sohlen und Absätze sind qualitativ besser als zuvor. Ich werde noch viele Jahre Freude an ihnen haben! Was ich damit sagen will: denkt nach, wenn ihr Schuhe aussortiert. Sind sie generell noch tragbar, dann bringt sie zum Schuster. Das vermeidet Abfall und ihr unterstützt nebenbei noch einen lokalen Kleinunternehmer. Außerdem: pflegt Eure Schuhe. Schuhpflegeprodukte gibt es günstig bei Deichmann!
  • Make-up
    Oh, ich sehe schon – jetzt wird es touchy: so viele Paletten kommen neu heraus, der Highlighter, der unser Leben verändert liegt in greifbarer Nähe! Schnappatmung, Reflexkauf… Endorphin-Push… und dann stellt ihr nach kurzer Zeit fest, dass der Lidschatten doch irgendwie nur “meh” ist. Ab in die Tonne.Das geht auch anders:
    Make-up Hack 1:
    Paletten sind an sich was feines, die Marken stellen die Farben so zusammen, dass sie perfekt harmonieren. Bei mir sind es hauptsächlich warme Zimt- und Kupfertöne. In einem Hatice Schmidt Video habe ich vor kurzem aber ein bestimmtes Grün entdeckt, das ich unbedingt haben wollte! Es gibt Dutzende Paletten mit tollen Grünschattierungen, aber was ich wollte, geht auch mit dem guten alten Mono Eyeshadow. Ja, ihr habt richtig gehört: ein einzelner Lidschatten. Wann immer ich einen Grün-Flash habe, nutze ich diesen. Spart Geld UND Platz.
    Make-up Hack 2:
    Triff Dich mit Freundinnen und mache SWAP Sessions: Deine Freundin hat einen Highlighter, der sich für sie als Fehlkauf herausstellte, aber er ist genau Deins? Du hast einen Eyeliner, mit dem Du nicht klar kommst und sie schon? SWAP! Bevor etwas in der Tonne landet, machst Du jemand anderes damit glücklich und bekommst im Gegenzug ein Produkt, das Du eventuell nicht im Laden gekauft hättest. Win-Win, Baby!
  • Parfum
    Parfums halten sich im Schnitt zwischen einem halben und einem Jahr. Wirklich? Wirklich. Auch wenn es noch so verlockend ist, sich in den neuen leckeren Juicy Couture Duft zu hüllen… und außerdem gibt es bei Douglas wieder eine Rabattaktion. Aaaaaaaaaaaaaaaaaah! Denk nach: kannst Du ihn wirklich innerhalb von 6 Monaten, maximal einem Jahr aufbrauchen?Ich habe hier fünf  nachhaltige Duft-Ideen für Dich:
    1. Lass Dir in der Parfümerie (vor Ort oder online) Proben von einem Duft mitgeben. Dadurch verhinderst Du Fehl- und Spontankäufe.
    2. Wenn Du einen Duft unbedingt haben MUSST, dann wähle die kleinste verfügbare Größe – das ist in der Regel der 30 ml Flakon.
    3.  Duftminiaturen sind nicht nur was für Tante Klaras Setzkasten. Kein Scherz: die Parfum-Knirpse sorgen für Abwechslung, Du kannst sie ganz easy überall in Deiner Tasche mitnehmen. Gibt’s öfters bei Kaufhof und natürlich günstig als Duty-Free auf Flughäfen.
    4. Noch ein Tipp aus der Kategorie “Duftzwerge”: schau mal bei Florascent vorbei. Diese kleine Karlsruher Duftmanufaktur hat unter anderem auch 15 ml Kreationen im Portfolio. Mein Favorit: Osmanthus, eine Blüte aus Ostasien.
    5. Generell: Lagere Parfum an einem schattigen, kühlen Ort, damit Du länger daran Freude hast!
  • Der Buchladen um die Ecke
    Du hast von einem neuen Roman gehört und willst ihn ganz schnell lesen – entweder als “richtiges Buch” oder für Deinen eBook-Reader? Schnell bei Amazon reintippen, bestellen, fertig. Warte mal: Amazon macht mit unzähligen Kunden Gewinn, die können jetzt mal auf Dich verzichten. Bestelle Dein Buch doch mal im Buchladen um die Ecke! Bei mir gibt’s im Viertel ein kleines Buchladen Start-up. Die haben wirklich jedes lieferbare Buch in ihrem Onlineshop verfügbar. Du kannst es genau wie bei Amazon bequem zu Hause bestellen und bekommst den Downloadlink für Deinen eBook Reader zugeschickt. Oder Du lässt Dir das Buch kostenlos entweder nach Hause schicken oder holst es im Laden ab. Kleine Händler leben von Kunden wie Dir und bereichern eine Stadt. Dadurch dass Du in einem kleinen Laden kaufst, betreibst Du in kleiner Form Aktivismus. Aktivismus kann auch eine ganz kleine Handlung sein und muss keine krasse Greenpeace-Aktion sein.

Du siehst – mit ganz kleinen Dingen kannst Du einen Beitrag dazu leisten, die Welt ein wenig besser zu machen! Probier es einfach mal aus 🙂

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