Der verantwortungsvolle Konsument

Das, was ich jetzt schreibe, mag ein wenig kontrovers klingen:

KonsumentInnen haben Macht. 

Wirklich? Wir sind doch nur wehrlose EmpfängerInnen von Produkten, wir können doch ohnehin nichts ausrichten. “Die da oben”, die Politik, muss was machen. Blödsinn.

Betrachten wir es einmal so: gehen wir in ein Geschäft hinein oder shoppen wir online, treffen wir Entscheidungen. Wir sind oft viel zu gedankenlos, wenn wir einkaufen: ist das Produkt ein Bioprodukt? Wo kommt die fesche Kleidung her? Wieviele Konfliktmineralien aus dem Kongo sind in meinem Laptop drin? Das sind Fragen, die sich – seien wir ehrlich – nur wenige stellen. Es ist aber wichtig und lohnenswert, sich mit diesen Realitäten zu befassen, bevor wir etwas kaufen.

Eines meiner Herzensthemen ist “Consumer Responsibility”. Was ist das denn nun schon wieder neumodisches?

Es meint nichts anderes, als mit offenen Augen und wachem Geist in ein Ladengeschäft (ob nun online oder offline, auf der Gass) zu gehen. Darüber zu reflektieren, was die Folgen meines Kaufs sind.

Ich habe mir in letzter Zeit viel Gedanken über die Textilindustrie gemacht. Dadurch, dass ich unlängst umgezogen bin, musste ich meine Kleidung aus den Kartons in den Garderobenschrank verräumen. Während ich dies tat, habe ich mir die Zeit genommen und bei einigen der Kleidungsstücke die Herkunftsländer auf den Etiketten identifiziert: Kambodscha, Vietnam, Indien, Pakistan, seltener China. Die Chinesen sind zu teuer geworden, weswegen die Bekleidungsindustrie nun ausweicht auf noch billigere Länder. Oft mit noch mieseren Arbeitsbedingungen.

Bildergebnis für textilindustrie billiglohn
Kleiderfabrik in Bangladesh. Quelle: zdf.com

Ich fragte mich: “Wer mag den Stoff für diese Bluse eingefärbt haben? Hat das giftig gerochen? Hat die Person Atemerkrankungen erlitten? Wer hat das Kleidungsstück genäht? Wie viele Stunden war die Näherin am Tag zugange? Kann sie mit dem Geld, das sie bekommt, ihre Familie ernähren? Kann sie ein gutes Leben haben, irgendwann…?”

Schließlich die letzte, schlimmste Erkenntnis: “Wie viele Leben habe ich auf dem Gewissen durch die Kleidung, die ich kaufe? Wie viel ist mir ein Trend wert?”

Beim Einsturz der Textilfabrik rana Plaza in Dhaka starben mehr als 1100 Menschen.
Angehörige eines der Rana Plaza Opfer in Bangladesh ©EPA/ABIR ABDULLAH

Diese Frage und die daraus resultierende Erkenntnis hat mich erschüttert. Ich habe das Glück, nun in Berlin zu wohnen, wo es mehr oder minder in jedem Viertel einen Second-Hand-Laden gibt. Auch wenn die dort verkauften Kleidungsstücke ebenfalls aus Billiglohn-Ländern kommen, so sind sie doch nachhaltiger, da nicht noch mehr Wasser als Ressource verbraucht werden muss, da das Kleidungsstück ja schon mal eine Vorbesitzerin gehabt hat und nun bei mir im Kleiderschrank und an mir selbst eine neue Heimat gefunden hat. Auch zollt dies sowohl der Vorbesitzerin Respekt dafür, dass sie pfleglich  mit dem Kleidungsstück umgegangen ist als auch der Näherin dafür, dass sie so fleißig war und ein so gutes und langlebiges Kleidungsstück gefertigt hat. 

Foto zu ReSales - Secondhand & more - Berlin, Deutschland
Resales Secondhand Laden in Berlin-Moabit Quelle: https://www.yelp.de/biz_photos/resales-secondhand-und-more-berlin?select=AsTZL7bbI9vtkUORaC4uSw 

 

Fazit also:

Der einzelne Konsument hat gewiss keine Macht. Wenn sich aber mehr Menschen dazu entscheiden, vor einem Einkauf zu reflektieren, diesen zu überdenken, dann wird aus dem leisen Stimmchen der Endverbraucher ein lauter Schrei. 

Geht in Secondhand Läden. Bringt Eure Schuhe zum Schuster. Lasst den Laptop von einer fachkundigen Person reparieren. Haltet Euren ökologischen und sozialen Footprint so niedrig wie möglich.

Gelebte Verantwortung entsteht nicht über Nacht. Es sind kleine Schritte, die langfristig den Unterschied machen.